Tübingens brandneue queere Filmreihe, Q-Film, geht in die zweite Runde! Nach dem Erfolg der ersten drei Vorstellungen wird ab Oktober 2018 jeden dritten Donnerstag im Monat eiIMG-20181009-WA0001n neuer Q-Film in Tübingens Kult-Programmkino Arsenal gezeigt.

Das Q steht dabei für queer, was aus dem Englischen kommt und in der modernen Umgangssprache meist als Überbegriff für alle verwendet wird, deren Sexualität, sexuelle Identität, und/oder zugehöriges Sozialverhalten von den gängigen gesellschaftlichen Erwartungen und Normen abweichen. Q-Film widmet sich dieser real existierenden Vielfalt von Sexualität und Lebensweisen und will sie auch auf der Leinwand sichtbar machen. Hierzu zeigen wir bunt gemischte, deutsche wie internationale Produktionen, die alle auf verschiedene Arten queere Aspekte thematisieren oder damit zu tun haben – mal im engeren, mal im weiteren Sinne. Dies können mal Dramen, mal Komödien sein, Kultklassiker ebenso wie Aktuelles, und Spielfilme genauso wie auch mal Dokumentationen. In der Regel spielen wir die Filme in der jeweiligen Originalversion mit Untertiteln.

Q-Film ist eine Kooperation des Kino Arsenal und der Aidshilfe Tübingen-Reutlingen e.V. und soll nicht nur ein kulturelles Angebot für Angehörige der queeren Gemeinschaft sein, sondern richtet sich an alle, die Interesse an der queeren Vielfalt in Filmen haben. Die Aidshilfe steht der queeren Gemeinschaft schon lange zur Seite und setzt sich für eine aufgeklärte, akzeptierende Gesellschaft ein. In diesem Sinne unterstützt sie Q-Film, weil die Reihe zu diesem Ziel beitragen möchte.

Die zweite Staffel der Reihe startet am 18. Oktober, um 20.15 Uhr, im Kino Arsenal mit unserem legendären Stamm-Eröffnungs-Kult-Film “Rocky Horror Picture Show” in der Originalversion. Wir empfehlen möglichst bald Karten zu reservieren (07071 9997531, täglich ab 16 Uhr). Es darf natürlich im passenden Kostüm mitgetanzt und Reis geworfen werden!

Nächste Vorstellungen:

18. Oktober 2018        The Rocky Horror Picture Show

15. November 2018     Dallas Buyers Club

20. Dezember 2018     I am Divine

17. Januar 2019          Intersexion

21. Februar 2019        Tomboy

Adresse:
Kino Arsenal, Hintere Grabenstraße 20, 72070 Tübingen

 

Infos zu den Filmen:

Dallas Buyers Club

Zum bevorstehenden Welt-Aids-Tag am 1. Dezember zeigen wir  Dallas Buyers Club, der auf realen Geschehnissen zu Beginn der Aids-Krise basiert. Der heterosexuelle und zunächst sogar homophobe Texaner Ron Woodroof erfährt von seinem Arzt, dass er mit HIV infiziert ist. Zu dieser Zeit, als man wenig über HIV wusste und es kaum Medikamente gab, war die Diagnose für viele ein Todesurteil, begleitet von Vorurteilen und Stigmatisierung. Ron nimmt dies aber nicht hin und beginnt noch nicht zugelassene Medikamente aus Mexiko nach Texas zu schmuggeln. Mit der Zeit lernt er andere Infizierte kennen, beginnt seine eigenen Vorurteile zu überwinden und gründet schließlich den Dallas Buyers Club um möglichst vielen Betroffenen mit den geschmuggelten Medikamenten zu helfen.

Wir wissen inzwischen viel mehr über HIV und können die Infektion gut behandeln, Aids sogar komplett verhindern. Trotzdem wird das Thema immer noch von vielen hauptsächlich mit schwulen Männern assoziiert, und Betroffene leiden immer noch oft unter Stigmatisierung und Diskriminierung. Unsere Kooperationspartner von der Aidshilfe laden nach dem Film gerne zu einer offenen Diskussion zum aktuellen Stand von HIV und Aids ein.

 

I am divine

Divine war die berühmteste, und auch berüchtigtste, Drag Queen ihrer Zeit und auch 30 Jahre nach ihrem Tod noch eine absolute Kultfigur. Die Dokumentation zeigt, wie aus dem verschüchterten Jungen Harris Glenn Milstead, der in der Schule wegen seines femininen Aussehens verprügelt wurde, eine der schrillsten Drag Ikonen wurde. Auch Glenns Übergewicht und sein Outing als schwul machten ihm Probleme – seine Eltern verstießen ihn zunächst und erst Jahre später konnte er sich wieder mit seiner Mutter versöhnen. In der Kunstfigur Divine fand er die Stärke all das zu überwinden, sogar Kraft daraus zu siehen, und forderte durch skandalöse Aktionen das oft beschränkte und konservative moralische Empfinden seiner Zeit heraus.

Ein fantastisches Beispiel dafür, wie manche Menschen im Angesicht von Mobbing und Vorurteilen zu innerer Stärke finden und ihren ganz eigenen, in diesem Falle schillernden, Weg gehen können.

 

Intersexion

Die „Dritte Option“ ist gerade politisches Thema in Deutschland: ein nicht-wertender dritter Geschlechtseintrag im Geburtenregister. Doch warum braucht es diesen überhaupt? Sind nicht alle Menschen entweder Frauen oder Männer? Die Dokumentation Intersexion beleuchtet einen der Gründe für die dritte Option. In Interviews berichten verschiedene Menschen rund um die Welt, was es für sie bedeutet intersexuell zu sein – also Geschlechtsmerkmale aufzuweisen, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Intersexualität ist ein seltenes, aber natürliches Phänomen, das etwa eine von 2000 Personen betrifft. In vielen Fällen drängen Ärzte die Eltern regelrecht dazu, sich für ihr Kind auf ein Geschlecht festzulegen und es chirurgisch entsprechend anpassen zu lassen. Die Lebensgeschichten Betroffener zeigen auf berührende Weise, dass diese Praxis oft einer Verstümmelung gleichkommt und zu psychischen Probleme führen kann – und all das ohne, dass es einen medizinischen Grund für die Geschlechtsanpassung oder die Entscheidung für männlich/weiblich gibt.

Zusätzlich zur Dokumentation werden wir eine Referentin zu Gast haben und laden zur Diskussion zu diesem Thema ein.

 

Tomboy

Dieser französische Film beschäftigt sich mit der Identitätsfindung der jungen Laure und stellt dabei unsere gängigen Vorstellungen von Geschlechterrollen in Frage. Laure wurde zwar als Mädchen geboren, kleidet und benimmt sich aber viel lieber wie man es in der Regel von einem Jungen erwartet – genau das macht sie zu einem sogenannten Tomboy. Als Laures Familie in den Sommerferien umzieht, nutzt sie die Gelegenheit um sich in der neuen Umgebung als Junge auszugeben. Durch ihre neue Identität als Michael kann sie endlich ausleben, was in ihrem Innern vorgeht, und erlebt den Sommer ihres Lebens. Gleichzeitig droht aber auch ständig, dass ihr Doppelleben auffliegt.

Tomboy schafft es, sich mit Humor und jugendlicher Leichtigkeit, aber gleichzeitig auch beeindruckender emotionaler Tiefe, mit der Entwicklung und Wahrnehmung von Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen und zum Denken anzuregen.