Tübingens brandneue queere Filmreihe, Q-Film, geht in die zweite Runde! Nach dem Erfolg der ersten drei Vorstellungen wird ab Oktober 2018 jeden dritten Donnerstag im Monat eiFlyer Arsenal Q Film 2019n neuer Q-Film in Tübingens Kult-Programmkino Arsenal gezeigt.

Das Q steht dabei für queer, was aus dem Englischen kommt und in der modernen Umgangssprache meist als Überbegriff für alle verwendet wird, deren Sexualität, sexuelle Identität, und/oder zugehöriges Sozialverhalten von den gängigen gesellschaftlichen Erwartungen und Normen abweichen. Q-Film widmet sich dieser real existierenden Vielfalt von Sexualität und Lebensweisen und will sie auch auf der Leinwand sichtbar machen. Hierzu zeigen wir bunt gemischte, deutsche wie internationale Produktionen, die alle auf verschiedene Arten queere Aspekte thematisieren oder damit zu tun haben – mal im engeren, mal im weiteren Sinne. Dies können mal Dramen, mal Komödien sein, Kultklassiker ebenso wie Aktuelles, und Spielfilme genauso wie auch mal Dokumentationen. In der Regel spielen wir die Filme in der jeweiligen Originalversion mit Untertiteln.

Q-Film ist eine Kooperation des Kino Arsenal und der Aidshilfe Tübingen-Reutlingen e.V. und soll nicht nur ein kulturelles Angebot für Angehörige der queeren Gemeinschaft sein, sondern richtet sich an alle, die Interesse an der queeren Vielfalt in Filmen haben. Die Aidshilfe steht der queeren Gemeinschaft schon lange zur Seite und setzt sich für eine aufgeklärte, akzeptierende Gesellschaft ein. In diesem Sinne unterstützt sie Q-Film, weil die Reihe zu diesem Ziel beitragen möchte.

Die dritte Staffel der Reihe startet am 18. April, um 20.15 Uhr, im Kino Arsenal mit dem Film “The Lobster”.

Alle Vorstellungen auf einen Blick:

18. April 2019        The Lobster

16. Mai 2019          Milk

20. Juni 2019         Blau ist eine warme Farbe

18. Juli 2019:         The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert

 

Adresse:
Kino Arsenal, Hintere Grabenstraße 20, 72070 Tübingen

 

Infos zu den Filmen:

18. April 2019: The Lobster (IE, GB, GR, FR, NL 2016)

In The Lobster‘s dystopischer, naher Zukunftsvision ist das Single-Dasein verboten. Wer keine Partner*in hat, muss sich zusammen mit anderen Singles in einem Hotel versammeln und hat dort 45 Tage um sich zu verlieben und wieder in eine Beziehung zu kommen. Wer es in dieser Zeit nicht schafft, wird zur Strafe in ein Tier verwandelt.

In diesem absurden Setting thematisiert Yórgos Lánthimos auf skurrile, überspitzte Weise und mit tief schwarzem Humor das Kennenlernen, Dating und Verlieben in der heutigen Welt , die zunehmend von digitalen Verkupplungs-Diensten und Übereinstimmungs-Algorithmen dominiert wird. Wir zeigen The Lobster in Q-Film unter einem weiteren Aspekt: Dass alle Menschen sich irgendwann verlieben, bzw. eine sexuelle oder romantische Beziehung eingehen müssen,  ist auch heute schon eine gesellschaftliche Erwartungshaltung, die Menschen aus dem a_sexuellen Spektrum ausgrenzt. Dies kann von ungläubiger Ausblendung bis hin zu anzweifelnden Anfeindungen gegenüber A_sexuellen reichen. Dabei ist doch eigentlich selbstverständlich, dass wir alle unterschiedlich starke sexuelle Triebe und romantische Neigungen haben, unabhängig von unserer sonstigen sexuellen Orientierung. Bei genauerer Überlegung ist die Verwandlung in ein Tier vielleicht gar nicht mehr so abschreckend – dann muss man sich wenigstens nicht mehr für alles rechtfertigen.

 

16. Mai  2019: Milk (US 2008)

Harvey Milk war der erste offen lebende Schwule, der in den USA in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Die Filmbiographie von 2008 beleuchtet vor allem seine politisch aktive Zeit  von 1970 bis 1978 in San Francisco. Zu einer Zeit als die nationale Politik zunehmend rechts-konservativ wurde und Homosexuelle polizeilich und gesetzlich diskriminiert wurden, setzte sich Milk offen für die rechte Homosexueller, aber auch anderer unterdrückter Minderheiten, ein und trat mehrmals bei den Wahlen zum Stadtrat San Franciscos an. Bei seinem dritten Versuch, 1977, gelang es ihm schließlich das Amt zu erlangen und wurde so zum Vorkämpfer und Vorbild einer ganzen Generation junger Homosexueller. Trotz dieses Erfolgs endete seine Karriere schon 1978 tragisch, als er nach einem Streit von dem homophoben früheren Stadtrat Dan White erschossen wurde.

Die gesellschaftliche Stellung homosexueller Menschen hat seit den Stonewall Krawallen vor 50 Jahren in New York und Harvey Milks historischem Vorbild in San Francisco große Schritte nach vorn gemacht. Trotzdem gibt es auch in Deutschland selbst heute noch durch Homophobie motiviertes Mobbing, Diskriminierung und Gewalt. Wir wollen mit Milk anlässlich des Internationalen Tages Gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai daran erinnern, dass man Akzeptanz und Gleichberechtigung niemals als selbstverständlich erwarten sollte, sondern für sich und für andere jeden Tag aktiv dafür einstehen muss.

 

20. Juni 2019: Blau ist eine warme Farbe (FR, BE, ES 2013)

Originaltitel: La vie d’Adèle

Als die Schülerin Adèle beginnt ihre Sexualität zu entdecken und auszuprobieren, trifft sie auf die Kunststudentin Emma und verliebt sich in sie. Blau ist eine warme Farbe zeigt die Entwicklung dieser Liebesbeziehung über mehrere Jahre hinweg und in sehr realistischen Tönen,  mit allen Höhen und Tiefen.

Blau ist eine warme Farbe passt natürlich schon deswegen zu Q-Film, weil es darin um ein lesbisches Liebespaar und Themen wie sexuelle Identitätsfindung und Homophobie geht. In erster Linie behandelt der Film aber auf sehr emotionale und realitätsnahe Weise die Liebe an sich – vom leidenschaftlichen Aufflammen und der sexuellen Anziehung, über das Vergehen der Verliebtheit, bis hin zum Auseinanderleben. Dabei verdeutlicht der Film, dass es eigentlich zweitrangig ist, ob ein hetero- oder homosexuelles Paar zusammen finden, weil wir doch alle letztendlich meist dieselben Liebesdramen durchmachen.

Wir zeigen Blau ist eine warme Farbe auf Französisch mit deutschen Untertiteln und in Kooperation mit dem Französischen Institut Tübingen.

Nous présenterons La vie d’Adèle en français avec sous-titres allemands et en coopération avec l’Institut Français du Tübingen.

 

18. Juli 2019: The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert (AU 1994)

Die beiden Drag-Queens Tick  (alias Mitzi Del Bra) und Adam (alias Felicia Jollygoodfellow), sowie ihre transgender Freundin Bernadette werden für eine Drag-Show in Alice Springs gebucht und machen sich dafür mit einem Bus auf den Weg durch das australische Outback. Die Reise wird zum Abenteuertrip bei dem sie auf die unterschiedlichsten Menschen treffen, von denen ihnen einige mit Neugier und Hilfsbereitschaft begegnen, andere mit Unverständnis und Gewaltandrohungen. Erst nach und nach kommt raus, weshalb sie wirklich nach Alice Springs reisen.

The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert wurde nicht nur in Australien zum Überraschungs-Hit und Kultfilm, sondern wurde auch von der LSBTTIQ* Gemeinschaft gefeiert. Damals war es noch gewagt, dass die Hauptcharaktere eines Films überhaupt homosexuelle und transgender Drag-Queens waren, geschweige denn, dass sie sympathisch und in einem guten Licht dargestellt wurden. Der Film schreckt nicht davor zurück, die aggressive Homophobie des ländlichen Australiens und die dunklen Flecken in den Lebensgeschichten der Hauptfiguren zu beleuchten und zu diesen Themen zum Denken anzuregen. In erster Linie ist es aber ein schrilles, buntes und komisches Roadmovie, das anzusehen einfach Spaß macht!