Im Jahr 2018 starben in Deutschland 1276 Menschen an den Folgen des Konsums illegalisierter Substanzen, davon 160 in Baden-Württemberg.  Überdosierungen in Deutschland und Europa sind die häufigste Ursache für Todesfälle bei diesen Drogenkonsument*innen.  Viele dieser Todesfälle könnten mit dem schnellen Einsatz des Drogennotfallmedikaments Naloxon verhindert werden.

Seit einem Jahr bieten wir als Aidshilfe Tübingen-Reutlingen Schulungen an, in denen Drogenkonsument*innen lernen, sich bei riskantem Drogenkonsum im Notfall gegenseitig zu helfen. In bisher acht Schulungen in der Aidshilfe und im Kontaktladen Janus haben 36 Drogengebraucher*innen (Stand Ende September 2019) mitgemacht.  Durchgeführt werden diese Unterweisungen von den Aidshilfe Mitarbeitern Sandra Kristen und Thomas Pfister sowie von Dr. Richard Haumann.

Dieses Angebot der Aidshilfe findet auch regelmäßig auf der Entzugsstation in der Tübinger Uniklinik in Kooperation mit Prof. Anil Batra statt, dort haben bis dato in sechs Unterweisungen 55 Patient*innen  teilgenommen.

Insgesamt wurden durch die Naloxon-Initiative bislang also 91 Konsument*innen von illegalisierten Drogen aus dem Landkreis Tübingen erreicht.

Der Hintergrund:  Seit wenigen Monaten ist das Medikament Naloxon in Deutschland auch als Nasenspray zugelassen. Damit können auch geschulte Laien Überdosierungen abwenden. Die Funktionsweise des Medikaments: Der Stoff Naloxon  hebt für zumindest 30 Minuten die atemeinschränkende Wirkung von Opioiden auf, die ansonsten zu Atemlähmung führen kann. Bis dahin sollten die bereits die alarmierten Rettungskräfte vor Ort.

Als erste Einrichtungen in Baden-Württemberg  bieten die Aidshilfe Tübingen-Reutlingen und der Drogenverein Mannheim die Naloxon-Schulungen an.

Zielgruppe für die Schulungen sind Frauen und Männer, die selbst Drogen konsumieren. Sie sollen bei einem Drogennotfall  den Überdosierten das Nasenspray verabreichen, denn oftmals werden illegalisierte Substanzen gemeinsam konsumiert.  In den etwa einstündigen Schulungen bekommen die Teilnehmer*innen überlebensnotwendige Widerbelegungsmaßnahmen an Hand einer Puppe gezeigt und üben selbst Reanimationsmaßnahmen.  Am Ende der Schulung erhalten alle Teilnehmer*innen ein Nasenspray und Notfall-Set, das bislang leider nicht von den Krankenkassen finanziert wird.

Finanziell unterstützt wurde die Naloxon-Initiative von der Stadt Tübingen mit rund 2800 Euro, die zwischenzeitlich leider aufgebraucht sind, weshalb die Naloxon-Inititative derzeit über Spenden finanziert wird und wir nun beim Landkreis Tübingen einen Antrag für die Finanzierung unserer Naloxoninitiative gestellte haben.

Die Naloxon Take-home Vergabe an geschulte Laien wird auch von der  Welt-Gesundheits-Organisation und dem Bundesministerium für Gesundheit empfohlen.

Naloxon fertiger Flyer