Naloxon Take-Home-Vergabe – Notfallmedikament bei Überdosierung

Das Notfall-Medikament Naloxon ist seit Herbst 2018 in Deutschland als Nasenspray auf Rezept erhältlich. Diesen Zeitpunkt haben wir auch gewählt, um die ersten Trainings für Drogengebrauchende im Umgang mit Naloxon durchzuführen. Vorangegangen war eine intensive Vorarbeit, zu dem auch der von uns organisierte Fachworkshop im Frühjahr 2018 mit rund 30 Teilnehmenden aus der sozialen Arbeit und der Medizin gehört hat.

Mit dem Medikament Naloxon kann die Wirkung von Opioiden (Heroin, Methadon…) innerhalb weniger Minuten für eine beschränkte Zeit aufgehoben werden, d.h. dadurch wird ein drohender oder eingetretener  Atemstillstand verhindert bzw. beendet.

Da es sich bei der Mehrheit der bundesweit jährlich etwa 1300 Todesfälle unter Drogengebraucher*innen um Opioidüberdosierungen handelt und die meisten von ihnen nicht alleine konsumieren, könnten mit der besseren Verbreitung von Naloxon etliche Menschen gerettet werden.  So gelang es beispielsweise mit Hilfe der systematischen Vergabe von Naloxon in Barcelona die Zahl der Drogentoten beinahe zu halbieren.

Als erste Einrichtungen in Baden-Württemberg bieten wir und der Drogenverein Mannheim die Naloxon-Schulungen an. Zielgruppe der Schulungen sind Menschen, die selbst Drogen konsumieren. Perspektivisch ist es unserer Ansicht nach auch sinnvoll, dass Angehörige von Drogenkosument*innen eine kurze Einweisung in den Gebrauch von Naloxon bekommen.

Ablauf der Trainings


In den etwa einstündigen Trainings befragen wir die Teilnehmenden nach ihren Übersdosierungserfahrungen, besprechen die Anzeichen einer Überdosierung und erklären die Anwendung des Naloxon-Nasensprays sowie allgemeine Wiederbelebungsmaßnahmen (Beatmung, Herzdruckmassage mit der Notfalltrainigungspuppe „LittleAnn“). Anschließend bekommen die Teilnehmenden auf Wunsch einen Notfallausweis. Der anwesende Arzt schreibt ein Privatrezept aus (leider übernehmen die Krankenkassen die Kosten von knapp 50 Euro nicht) und wir versorgen die Teilnehmenden anschließend mit den Nasensprays.

Die Trainings finden angeleitet von uns und Dr. Richard Haumann im Kontaktladen Janus (bwlv) oder in der Aidshilfe statt.

Trainings in der Entzugsstation der Uni-Klinik

Bundesweit einmalig ist unsere Zusammenarbeit mit der Entzugsstation der Uniklinik. Auch dort finden seit Herbst 2018 regelmäßige Trainings für die Patient*innen statt, die sehr gut angenommen werden. Auf der Station 13 der Uniklinik wurden seit Beginn der Trainings mehrere hundert Patient*innen durch uns in dem Gebrauch des Naloxon-Sprays einegewiesen. Im Anschluss an das Training bekommt jede*r Teilnehmer*in ein Naloxonspray ausgehändigt – finanziert wird dies über einen Zuschuss vom Landkreis Tübingen, den wir 2020 für unser Naloxon-Projekt erhalten haben, der jedoch nunmehr aufgebraucht ist.

Über die Psychiatrie erreichen wir immer wieder auch Menschen aus überregionalen Landkreisen, die bisher noch nichts von dem Programm wussten und von denen wir hoffen, dass sie ihr neues Wissen weitertragen, so dass sich die Vergabe von Naloxon-Sprays immer weiter etalieren kann.

Train-the-Trainer Schulungen

Des Weiteren bieten wir bei Interesse Train-the-Trainer Fortbildungen an, die wir selbst als Auftaktveranstaltung unserer Naloxon-Schulungen mit Kerstin Dettmer und einer großen Runde unterschiedlichster Gäste veranstaltet haben. Auch bei den Tübinger Suchttherapietagen, im „AK Drogen“ der Stadt und bei weiteren Gelegenheiten stellen wir das Programm vor in der Hoffnung, noch mehr Akteure einzubinden.

Die Naloxon Take-home Vergabe an sogenannte geschulte Laien wird auch von der WHO und dem Bundesministerium für Gesundheit empfohlen.

Wir als Aidshilfe setzen uns auf verschiedenen Ebenen dafür ein, die Naloxon-Sprays möglichst breit zu verteilen und viele Menschen darin zu unterstützen, sich selbst und anderen Leben retten zu können. Dies ist uns ein großes Anliegen.